Starker Riese in sensiblem Einsatz

Starker Riese

Rückbau im KKP Philippsburg

Im Kernkraftwerk Philippsburg helfen Hebezeuge von STAHL CraneSystems bei der Rückbau-Logistik

29.11.2018 Presse

Mit der 13. Novelle des Atom­gesetzes ist es im Sommer 2011 beschlossene Sache: Deutschland vollzieht die Energie­wende weg von der Kernkraft. Bis Ende 2022 sollen alle Atom­kraftwerke in Deutschland vom Netz gehen. Die Abschaltung und der anschließende Rückbau stellen eine logistische Heraus­forderung für die Betreiber dar. Tonnen­weise Material muss aus- und abgebaut, verlagert und bewegt werden. In Philipps­burg kommt dabei auch starke Technik von STAHL CraneSystems zum Einsatz.

Am rechten Rheinufer, bei Fluss­kilometer 389, liegt das von der EnBW betriebene Kernkraft­werk Philippsburg (KKP). Der Siedewasser­reaktor in Block 1 des Kernkraft­werks (KKP 1) war nach 32 Betriebsjahren einer der ersten acht Reaktoren, die im Zuge der Energiewende 2011 vom Netz gingen. Im Mai 2017, nach Abschluss des Genehmigungs­prozesses, begann der Rückbau dieser Anlage. Auch der Druckwasser­reaktor in Block 2 (KKP 2) kommt dem Ende seiner Laufzeit näher und wird spätestens Ende 2019 abgeschaltet.

Die hoch­radioaktiven abgebrannten Brenn­elemente der beiden Reaktoren werden seit 2007 im Standort­zwischenlager des KKP in geeigneten Behältern gelagert und sind vom Rückbau nicht betroffen. Von der Gesamtmasse eines EnBW-Kernkraftwerks sind bis zu 98 % konventionelle Wert- und Rohstoffe und 1-3 % schwach- bis mittel­radioaktive Reststoffe. Die Gesamt­masse des Kernkraftwerks KKP 1 liegt bei ca. 398.000 Tonnen, die von KKP 2 bei ca. 783.000 Tonnen. Einen effizienten Umgang mit diesen Massen ermöglicht die EnBW mit der Errichtung einer besondere Rückbau-Infrastruktur: Auf dem Gelände des KKP werden ein Reststoff­bearbeitungs­zentrum (RBZ) zur Behandlung der Reststoffe und ein Standort-Abfalllager (SAL) errichtet, in dem die radioaktiven Abfälle bis zur Inbetrieb­nahme des Endlagers „Schacht Konrad“ bei Salzgitter lagern werden.

Die EnBW beauftragte im Januar 2017 die Innokran GmbH, zertifizierter Partner von STAHL CraneSystems, mit der Installation dreier Krananlagen im Philippsburger Reststoffbearbeitungszentrum und Standort-Abfalllager. „Wir haben bereits 2012 unseren ersten Auftrag im Kraftwerksbereich verwirklicht und unsere Erfahrungen auf diesem Gebiet stetig erweitert“, erklärt Christoph Fischer, Geschäftsführer von Innokran.

Im RBZ kommt eine frequenz­geregelte Winde SHWF 8 von STAHL CraneSystems mit einer Trag­fähigkeit von 32 Tonnen auf einem Zweiträger­brückenkran mit 20 Meter Spann­weite zum Einsatz. Die Winde SHW 8 von STAHL CraneSystems basiert auf dem bewährten Seilzug­programm SH und ist für den Schwerlast­bereich bis 160.000 kg ausgelegt. Dank robuster und wartungsarmer Konstruktion ist sie bestens für den Arbeits­alltag ausgelegt. Durch den modularen Aufbau der Winde sind verschiedene Bau-formen und Fahrwerk­varianten möglich, die unter­schiedlichste Einsatz­möglichkeiten und auf spezifische Anforderungen zugeschnittene Lösungen erschließen. Die Winde SHWF 8 in Philippsburg hat einen Hub­geschwindigkeits­bereich von 0 bis 4 m/min und ist stufenlos regelbar. Zusätzlich ist ein Hilfs­hubwerk SHF 50 mit einer Trag­fähigkeit von 5 Tonnen installiert. Die Strom­zuführung für die Hebezeuge laufen jeweils geschützt in einer Energiekette. Bei Abwärts­bewegung der Last wird die generatorisch erzeugte Energie durch den Brems ­widerstand in Wärme umgewandelt und kann durch Konvektion an die Umgebung abgegeben werden. Zusätzlich erfordern die besonderen Sicherheits­standards in der Kerntechnik die redundante Ausführung von Bremsen und Messsystemen. Einige Bauteile wie der Schalt­schrank sind zur einfacheren Reinigung aus korrosions­freiem Edelstahl gefertigt, eine Farbbehandlung ist nicht notwendig.

„Die größte Herausforderung bei einer solchen Anlage ist die lückenlose Dokumentation aller Arbeitsvorgänge – auch von Zuliefererfirmen. Darauf legt die EnBW besonderen Wert“, führt Christoph Fischer aus. So müssen alle Stahlbau­teile durch Materialstempel nachvollziehbar gekennzeichnet werden. Nach erfolgter Vorprüfung werden die Komponenten nach einem Schweißplan zusammengefügt. Vor der Lackierung werden alle Materialstempel verglichen, die Ausführung der Schweißnähte, die Maßhaltigkeit sowie die Vollständigkeit durch externe Prüfer abgenommen.

Ein Rest­stoff­bearbeitungs­zentrum und Standort-Abfalllager errichtet die EnBW in ähnlicher Weise auch parallel an ihrem Standort in Neckar­westheim. Auch dort werden drei Krananlagen von Innokran zum Einsatz kommen.

Bilder

Das Kernkraftwerk Philippsburg (Bildquelle: EnBW)
Das Kern­kraft­werk Philipps­burg mit dem Einsatz­ort der Winde SHWF 8 von STAHL CraneSystems im Reststoff­bearbeitungs­zentrum (RBZ).
Die Strom­zuführung für die 32-t-Winde SHWF 8 und das 5-t-Hilfshubwerk laufen jeweils geschützt in einer Energie­kette.
Die zweite Hubwerks­bremse ist eine zusätzliche Doppel­backen­bremse nach DIN 15435 mit externer Brems­feder.
Der Schalt­schrank ist aus korrosionsfreiem Edelstahl gefertigt, eine Farb­behandlung ist nicht notwendig.